Besucherbergwerk "Grube Ludwig"

Mit dem Besucherbergwerk „Grube Ludwig" wurde ein bedeutendes museales Industriedenkmal aus der Hochzeit des Bergbaus im Überwald für die Nachwelt erhalten.

Rund 5500 Arbeitsstunden investierten die Bergwerksfreunde des Überwälder Museums- und Kulturvereins, um den ehemaligen Bergbaustollen von dem Schutt und Schlamm zu befreien, der aus den ehemaligen Abbau-Schächten eingedrungen war. Anschließend wurden alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um dafür zu sorgen, dass der Stollen in seiner gesamten Länge problemlos besichtigt werden kann.

Das Besucherbergwerk „Grube Ludwig" im Wald-Michelbacher „Wetzel" ist an speziellen Besuchertagen, die durch die Medien bekannt gegeben werden, geöffnet. Eintritt frei!.

Manganerzstollen „Ludwig“

Überwald-Bahn
Güterbahnhof Wald-Michelbach. Quelle: Morr, Hans-Günther: Die Überwald-Bahn. Ein Kleinod der Eisenbahngeschichte. Wald-Michelbach 1998, S. 58

Im Odenwald wurden während vieler Jahrhunderte Bodenschätze gefördert. Nicht weit von Wald-Michelbach bei Weschnitz am Rande des Überwaldes ist der Ab¬bau von Erzen schon für das Jahr 795 belegt. In unserem Raum sind es zahlreiche Flurnamen und die Nennung von Eisenwerken, -hämmern und -schmelzen in alten Quellen, die an den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bergbau erinnern.

Gesucht wurde zunächst nach Eisen. Die Energie zum Antrieb der schweren Hämmer lieferte der Ulfenbach, das Holz zur Verhüttung der ausgedehnte Wald. Noch sehr gut erhalten ist die Erinnerung an die Blütezeit des Überwälder Bergbaus in der Zeit von 1895 - 1912. Hunderte von Bergleuten fanden in jenen Jahren ein gutes Auskommen in den zahlreichen Gruben und Stollen. Zu nennen ist vor allem die lothringische Firma de Wendel, die Mangan und auch Schwerspat abbauen ließ.
Eine mit Dampfkraft betriebene Drahtseilbahn beförderte die Erze über 2,8 km zum neuen Bahnhof in Unter-Wald-Michelbach. Allein im Feld "Aussicht" am Fuße des "Toten Mannes" im Süden von Wald-Michelbach wurden über 300.000 t Erz abgebaut.

 

Nach Gründung des "Überwälder Museumsvereins" und nach ehrenamtlichem Ausbau, Gestaltung und Bestückung des Heimatmuseums, wurden einige Mitglieder mit der ebenfalls ehrenamtlichen Auffahrung der alten Grube "Ludwig" aktiv.
Es sollte ein museales Industriedenkmal erhalten werden bzw. besichtigungsreif entstehen. So wurde man aktiv bei dem Besitzer des Grundstückes, der Gemeinde Wald-Michelbach, und dem Bergamt Weilburg, um die erforderlichen Genehmigungen für das Vorhaben zu erhalten. Die Genehmigung für den Besucherstollen wurde 1994 erteilt. Allerdings mussten wir einen neuen Stollenmund schaffen und ein Tor anbringen. In der Zwischenzeit wurden in mehr als 5.300 freiwilligen Arbeitsstunden der ehemalige Bergbaustollen von Schutt und Schlamm geräumt, der sich aus den alten Abbau-Schächten in den Stollen bewegt hatte. Der Stollen wurde damals durch Urgestein, d. h. Granit gesprengt.
Die alten Verbauungen wurden ersetzt. Wegen des ausströmenden Bergwassers musste eine Rinne angelegt und ein befestigter Weg geschaffen werden. Der Stollen ist bis 85 m zu befahren. Die in die Abbaubereiche führenden vier Schächte wurden verbaut und gesichert. Im Stollen ist eine fast gleichmäßige Temperatur von 8-11 Grad Celsius.

 

Mit der Erfindung der Konvertertechnik beim Schmelzen konnte man nun auch Stahl in verschiedenen Legierungen herstellen, Dem Roheisenschmelzgut wurden noch andere Mineralien zugefügt. Dazu zählt auch Mangan (Mn). Es erhöht die Festigkeit des Stahls. Unser Gebiet, auch die Gemarkung Wald-Michelbach, liegt an der Nahtstelle des Kristallinen- zum Sandstein-Odenwald. In einem früheren Schriftstück der Hess. Oberen Bergbaubehörde ist u.a. zu lesen:

 

"Das Manganeisenerz des Odenwaldes ist gebunden an einen bestimmten geologischen Horizont, den sogenannten Zechstein, der ursprünglich als eine gering mächtige Schichtenfolge von Kalk abgelagert, später an vielen Stellen in Dolomit (Magnesiakalk) umgewandelt und durch eisen-und manganführende Lösungen mehr oder weniger in Erz umgewandelt ist. Der Zechstein hat sich auf dem welligen Untergrund von Granitge¬steinen derart abgelagert, dass er zunächst die Buchten und Tiefen dieser älteren Gesteine ausgefüllt und mit annähernd waagrechten Schichten eingeebnet hat.
Später ist er von den Schichten des bunten Sandsteins in mächtiger Folge überdeckt worden. In noch späterer Zeit haben die gesamten Schichten eine geringe. Neigung nach Südosten erfahren und sind noch später durch oberflächliche Verwitterung soweit wieder entfernt worden, dass heute auf der geologischen Karte der Zechstein als schmales Band unter dem noch immer mächtigen Buntsandstein hervor¬schaut und somit auch im Grundriss gesehen, den östlichen Buntsandstein-Odenwald vom westlichen Granit-Odenwald auf lange Strecken hin sichtbar trennt."
So setzte in den Jahren ab 1870 bis zur Jahrhundertwende ein regelrechter Run zum Erwerb der Mutungsrechte (Abbaurechte) ein.


Ab 1888 wurden einige Bergbaugesellschaften in unserem Gemeindegebiet tätig. Dies waren

  • die Firmen Hesse & Schulte bzw. Dillinger Hüttenwerke in den Erzfeldern "Ludwig" und "Morgenstern"
  • die Firma de Wendel, Hayingen im Erzfeld "Aussicht".

In diesen Gruben waren damals bis zu 300 Bergleute beschäftigt. Aber schon nach 25-30 Jahren wurden die Gruben wieder geschlossen. Waren die Lager erschöpft oder gab es andere Schwierigkeiten? Wir wissen es nicht.

Besonderes Interesse findet auch heute noch der einstige Wasserkastenaufzug, durch den das gebrochene Erz mittels Schwerkraft aus dem Stollen geholt wurde. er ist in der Bergbauabteilung im "Überwälder Heimatmuseum" (Bild) zu sehen.

Öffnungszeiten

Wir bieten, vorzugsweise für Gruppen ab 5 Personen, nach Anmeldung sehr gerne Führungen an.

 

Ansprechpartner

Zukunftsoffensive Überwald GmbH

+49 (0) 6207 942426

oder Kontaktformular verwenden

Adresse

Die Grube liegt am Wetzel

69483 Wald-Michelbach

Kontaktformular

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Lied der Bergleute aus Wald-Michelbach